Glücklich, weil wir es nun das 4. Jahr in Folge geschafft haben, jeweils 2 gegenseitige Schülerbesuche mit unseren Partnerschulen in Artashat zu organisieren. Und wehmütig, weil in diesem Jahr die Gemeinschaft zwischen deutschen und armenischen Partnern so eng wie in in keinem Jahr vorher war. Schon lange vor dem ersten Treffen haben die Partner intensiv miteinander über das Internet kommuniziert. Und auch jetzt noch, Monate nach dem zweiten Treffen, bestehen die Kontakte zwischen den Schülern weiter.

Möglich gemacht wurden die beiden Besuche wieder durch unsere großen Geldgeber: Die Stiftung West-Östliche Begegnungen und die PASCH-Initiative der Kultusministerkonferenz, die jeweils beide Begegnungen gemeinsam zum überwiegenden Teil finanzieren.

 
Das Treffen in Saarbrücken

Ende März waren 13 armenische Schülerinnen und Schüler der 9. Klassenstufe mit ihren Englisch- Lehrerinnen eine Woche bei uns zu Gast in Saarbrücken. Hier trafen sie zum ersten Mal ihre deutschen Austauschpartner, mit denen sie monatelang übers Internet auf Englisch kommuniziert hatten.

Während der beiden gegenseitigen Besuche arbeiteten deutsche und armenische Partner in diesem Jahr an einem Film-Projekt mit dem Thema „Die Zukunft beginnt jetzt“. Ergebnis des Projektes wird ein Film sein, der in drei kleinen Alltagsgeschichten von Jugendlichen zeigt, wie KI unser Leben in 20 Jahren verändert haben wird.

Beim Treffen in Saarbrücken lernten die Schüler im Lernzentrum TUMO Saar in Saarbrücken (https://saar.tumo.de/ueber-uns/) das Schreiben von Filmszenen, das Drehen und das Schneiden dieser Szenen. Dabei wurden die Schüler darauf vorbereitet, später, beim Gegenbesuch in Armenien, den Schüler-Film dann selbst zu produzieren.

Neben der Beschäftigung mit diesem Projekt unternahmen die Schüler auch viele andere gemeinsame Dinge, zum Beispiel eine spontan organisierte Geburtsfeier für Vahe, einen armenischen Teilnehmer, in einer Bäckerei nahe dem St. Johanner Markt.

Auch ein Besuch im Saarbrücker Rathaus gehörte dazu. Oberbürgermeister Conradt empfing die Schüler eine ganze Stunde lang im Festsaal des Hauses. Dort gab er den Schülern eine Einführung in die Geschichte der Landeshauptstadt sowie des Saarbrücker Rathauses und beantwortete Fragen zu seinem Amt und der aktuellen Stadtpolitik. Seine Assistentin, die zufälligerweise Armenierin ist, dolmetschte das Gesagte von Deutsch auf Armenisch und umgekehrt.

Am Ende konnten Gruppenfotos mit dem OB im Treppenhaus gemacht werden. Manche Schüler nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit Herrn Conradt.

Am Wochenende unternahm die deutsch-armenische Gruppe eine Tagesfahrt nach Straßburg. Dort besuchten und bestiegen die Schüler das Münster, machten eine Bootsfahrt durch die Kanäle der Stadt und aßen gemeinsam zu Abend in einem Restaurant. Das eiskalte und regnerische Wetter konnte die gute Laune der Schüler nicht trüben.
Ebenfalls am Wochenende besuchten die Schüler in Saarbrücken die Moderne Galerie und lösten dort gemeinsam kleinere Aufgaben. Direkt danach konnten sie die Ludwigskirche von innen frisch restauriert und mit Orgelmusik erleben.

Am Abschlussabend - von Frau Werner im Kulturraum eröffnet - wurde ausgelassen getanzt und gefeiert. Der Abschied einen Tag später am Saarbrücker Hauptbahnhof fiel den Schülern schwer, und die Vorfreude auf das Wiedersehen in einem Monat war groß.

 

Das Treffen in Artashat

Im Mai reisten 9 unserer Schülerinnen und Schüler mit zwei Lehrkräften für eine Woche zur Partnerschule nach Artashat. Dort trafen sie ihre armenischen Partner wieder und genossen die große Gastfreundschaft in den Gastgeberfamilien.

Am ersten Tag zeigten die armenischen Schüler den Saarbrückern ihre Stadt - und gingen dann recht bald Pizza-Essen, da sich Regen ankündigte.

Bei der offiziellen Begrüßung einen Tag später in der Partnerschule wurden uns vier großartige Schülergemälde überreicht. Eines davon ist zur Bilder-Sammlung unserer Schule hinzugekommen. Nach der Begrüßungs-Zeremonie wurden Frau Hildebrand und Herr Kluge von der Schulleitung mit Kaffee und Kuchen empfangen.

An insgesamt drei Tagen unseres Besuches arbeiteten die Schüler an ihrem Filmprojekt weiter, drehten Filmszenen und besuchten dabei zweimal das TUMO Zentrum in Yerewan.
Das TUMO Zentrum in Yerewan ist das größte und die Mutter aller anderen TUMO Zentren weltweit. Darin befinden sich Arbeits-Räume, in dem Jugendliche unentgeltlich am Nachmittag ihre Projekte verfolgen und in Workshops lernen können.

Neben der Projektarbeit bei TUMO besuchten die Schüler in ihrer Freizeit weitere Einrichtungen in Jerewan:

Matenadaran, das Archiv armenischer Handschriften, das zum Weltdokumentenerbe gehört. Dort mussten die Schüler zunächst vor dem Eingang auf die Fremdenführerin warten. Diese erklärte dann den Schülern die Entstehung der viele Jahrhunderte alten Handschriften.

Ein weiterer Ort in Jerewan, den die Schüler besuchten, war die Kunstgalerie des Malers Shmavonyan, der dort für uns live ein Stillleben malte.

An einem Abend durften wir auch das Observatorium Byurakan besuchen und angeleitet durch Astronomen mit einem Besucher-Fernrohr die Sterne beobachten.

Am 9. Mai, dem zentralen Gedenktag zum Ende des zweiten Weltkrieges - den die armenischen Kolleginnen kurzerhand in einen „Teachers Day“ umgewandelt haben - besuchten wir Kollegen gemeinsam ohne die Schüler den Kaukasus. Viele Gastgebereltern unternahmen mit ihren Gästen an diesem Tag aber ähnliche Fahrten, sodass wir sogar einige unserer Schüler in den Bergen wiedertrafen.

An einem Tag haben wir auch unsere erste Partnerschule in Artashat besucht und erlebten dort einen Auftritt der 7er-Deutsch-Klassen die für uns Tänze, deutsche Kinderlieder und Gedichte vortrugen. Wir überbrachten dabei den 7klässlern die Briefe unserer 6klässler von der Bellevue und schenkten den Klassen Übungshefte und weiteres Lernmaterial zum Deutschlernen. Mit der dortigen Schulleitung besprachen wir anschließend Möglichkeiten der weiterer Zusammenarbeit unserer Schulen.

Am vorletzten Tag drehten wir mit einer Drohne die Schlussszene unseres Films auf der Kaskade, einem beliebten Aussichts- und Treffpunkt in Jerewan. Erleichtert genossen wir dort nach dem Ende der Film-Arbeiten den Abend auf der Kaskade. Und wir hatten sogar Zeit für Fotos mit allen Beteiligten.

Am Tag der Abreise bekamen die deutschen Teilnehmer ein Abschiedsgeschenk durch die Schulleiterin Mariam Hakobyan überreicht. Wir überreichten ebenfalls ein Abschiedsgeschenk an jeden armenischen Teilnehmer: eine Duftkerze und ein Stück Schokolade.

Die Gastgebereltern organisierten an diesem Tag auch ein üppiges Büfett für alle Teilnehmer. Noch einmal konnten wir die großartige Gastfreundschaft der armenischen Partner und Freunde genießen, bevor es auf die Heimreise ging.

Im Mai dieses Jahres reisten sieben Schüler und zwei Lehrer der Gemeinschaftsschule Saarbrücken-Bellevue zu unserer zweiten Partnerschule nach Artashat in Armenien. Dort trafen sie ihre Austauschpartner wieder, die einen Monat zuvor schon bei uns in Saarbrücken zu Besuch waren.

Während der Besuchswoche in Armenien arbeitete die Schülergruppe der 9. und 10. Klassenstufe weiter an ihrem Kunst-Projekt „Lasst uns malen, was wir gemeinsam haben!“. Daraus sind zwei abstrakte Wandgemälde in beiden Schulen entstanden, die auf symbolischer Ebene die Gemeinsamkeiten der Schüler trotz ihrer unterschiedlichen kulturellen und geographischen Herkunft betonen.

Neben dem Projekt in der Schule unternahm die armenisch-deutsche Schülergruppe auch Ausflüge zu bedeutenden historischen Orten, Kunstausstellungen, Museen und Kirchen in der Hauptstadt Jerewan, nach Etchmiadsin und Gyumri.

Unsere Schüler waren während ihrer Zeit in Armenien bei den Familien ihrer armenischen Partner untergebracht, wo sie auch am Familienleben teilnehmen konnten. Die Gastgeber-Familien scheuten keine Kosten und Mühen, um ihren Gästen eine schöne und abwechslungsreiche Zeit zu bieten.

Besonders beeindruckt haben uns die Deutsch-Klassen unserer ersten Partnerschule in Artashat. Bei unserem Besuch sangen Schüler der 5. und 6. Klassenstufe für uns deutsche Kinderlieder und trugen Gedichte von Goethe und Schiller vor.

Aufgrund unserer Schulpartnerschaft hatte diese Schule vor zwei Jahren Deutsch als 2. Fremdsprache eingeführt. Mittlerweile lernen dort vier 6. Klassen und drei 5. Klassen Deutsch mit großem Elan. Bei unserem Besuch schenkten wir den Klassen Bildwörterbücher und Vorkabelzettel-Boxen zum Deutschlernen, um die pädagogische Arbeit zu unterstützen.

Wie jedes Jahr wurde auch diese Reise wieder von der Stiftung West-Östliche Begegnungen in Berlin großzügig mit Zuschüssen gefördert.

- Sebastian Kluge, verantwortlicher Lehrer für die Schulpartnerschaft